Wir – Laila & Jürgen – sind 13unterwegs: 7 Monate im Mercedes Vito 4x4 quer durch Osteuropa, Balkan, Türkei, Georgien, Armenien & Griechenland.
DREIZEHN UNTERWEGS
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Auszeit 2025  ·  24. Oktober 2025

Im Tiefflug durch Griechenland

Oberhalb des mäandernden Nestos stehen wir sozusagen auf der Startrampe zu unserer Aktion „Griechenland im Schnelldurchlauf“. Denn allzu viel Zeit werden wir in diesem Land leider nicht verbringen können, so herzzerreißend schön es sich auch und gerade im Herbst präsentiert. Aber immerhin – so trösten wir uns – haben wir den Farbenrausch in den Laubwäldern des Epirus schon 2019 intensiv genießen können, die blühenden Wiesen des nordgriechischen Frühlings besuchten wir sogar mehrfach. Und so (Entscheidung steht) zünden wir nach einem spektakulären Abschieds-Sonnenaufgang überm Nestos die Rakete und brausen durch grandiose Landschaften: Flusstäler, steile Felszacken, buntbelaubte Laubwälder wohin man schaut. Und natürlich immer noch (sie verfolgen uns seit Monaten) die allgegenwärtigen Hirten mit ihren Herden. Hier grüßen uns nun griechische Ziegen in großer Zahl an allen Straßenrändern. Kurzfelliger, kurzohriger und mit deutlich strengerem Geruch als die anatolischen Kollegen. Die griechischen Hirtenhunde wiederum nehmen ihren Job ernster, lassen ihre Schäfchen (nein, „Ziegchen“) nicht aus den Augen und verbellen warnend jedes Auto, das es wagt, ihren Weg zu kreuzen. Die türkischen Pendants gebärdeten sich entspannter und waren schwanzwedelnd immer auf der Suche nach Leckereien und Streicheleinheiten. Ein kleiner Zwischenstopp für uns in herbstlichem Pilz-Wäldchen und schon geht´s weiter über bestens ausgebaute Autobahnen und uns fällt auf, dass wir seit Monaten nicht mehr richtig „schnell“ gefahren sind. Kein Wunder, dank Holperpisten, Rumpelstraßen und Serpentinenwegen. Im Rausch der Geschwindigkeit haben wir das Gefühl, Griechenland in nullkommanichts zu durchqueren. Und da Auobahnen gemeinhin nicht besonders interessant sind (auch hier nicht) schaffen wir es endlich, unser georgisches Hörbuch „Das mangelnde Licht“ (ja, wir versuchen immer, thematisch passend unterwegs zu sein) weiterzuhören, das wir eigentlich schon vor Georgien gestartet hatten. Aber bei all den vielen „Schau mal!“s am Straßenrand wurde das Zuhören so oft unterbrochen, dass wir ständig den Faden verloren und schließlich aufgaben. Nun ist der Richtige Zeitpunkt gekommen! Und schon erreichen wir unseren Schlafplatz hoch über dem Kerkini-See unter herbstlichen  Stech-Eichen und unter wolkenverhangenem Himmel.

Natürlich schauen wir das Vogelschutzgebiet nicht nur von oben, sondern am nächsten Morgen auch noch aus nächster Nähe an. So ein kleines Highlight sollte trotz Griechenland-Turbo-Durchquerung täglich drin sein. Und es lohnt sich natürlich wie immer! Auf der weiten, spiegelnd glatten Fläche stehen auf ihren langen Beinen zahllose Flamingos und unterhalten sich auf ihre knarzige Art angeregt miteinander, Am Horizont weiden schwarze Wasserbüffel, riesige Seemuscheln und halbmeterlange Adlerfedern liegen überall auf den Schwemmflächen des Kerkini-Sees. Und schon sind wir wieder unterwegs.

Kleine Dörfchen mit den typischen blau-weißen Häuschen, immer mehr bunte Bäume, bald führt uns die Straße wieder in Serpentinen in die zerklüfteten Berge hinauf, Schildkröten wandern über den Asphalt und diesmal sehen wir tatsächlich eine der Wildpferd-Herden, die in dieser Gegend vorkommen. Hier handelt es sich um ehemalige Hauspferde, die seit Generationen verwildert in den nordgriechischen Berglandschaften unterwegs sind. Eine ziemlich große Herde übrigens mit mehreren Fohlen. Sobald sie uns entdecken, ergreifen sie ziemlich zügig die Flucht und – der Unterschied ist sofort zu hören – sie tragen natürlich keine Hufeisen und sind somit deutlich geräuschärmer unterwegs. Weiter geht´s durch noch mehr entzückende Dörfchen und bevor wir uns wieder in die Berge davon machen, entern wir in Eptachori eine kleine Kneipe mit flackerndem Kaminfeuer direkt neben einem griechischen Kirchlein. Keiner hier außer der resoluten Wirtin, die uns sofort eifrig den Inhalt ihres Kühlschranks offeriert. Keine Speisekarte, sondern das, was Keller und Küche halt gerade so hergeben. Sind ja schließlich nicht im Hotel. Und da wir mit dieser Methode seit Monaten bestens fahren, sind wir auch diesmal zufrieden und werden natürlich nicht enttäuscht! Es wird griechischer Salat geschnippelt, Kartoffelscheiben gebraten, Fleisch gebrutzelt und (hier ist die Wirtin besonders stolz): es gibt Wildschweinwurst. Passend dazu hängt über uns an der Wand ein Wildschweinkopf. Und natürlich verputzen wir alles. Jürgen macht anscheinend noch keinen satten Eindruck und sofort wuselt die Wirtin noch einmal mit Wurst herbei. Anschließend züneden wir unsere Rakete erneut und landen in einer weiteren nordgriechischen, herbstlich buchen-belaubten und orangebraun leuchtenden Bergregion und im kleinen Örtchen Aetomilitsa. Und versuchen, einem Park4Night-Tipp zu folgen: einsamer Platz, auf 2200 Metern gelegen, tolle Aussicht! Leider scheitern wir aus verschiedenen Gründen: die ersten beiden hätten uns nicht abgehalten. Keine Sicht wegen Nebel und Eiseskälte auf Grund der Höhe. Der dritte aber zwingt uns dann doch zum Umkehren: die Straße ist erdig mit ziemlichen Spurrillen und teilweise sehr steil. In der Nacht ist Regen angesagt. „Nur ein bisschen“, behauptet die Wetter-App. Wir möchten dem Ganzen nicht so recht trauen und entscheiden uns gegen den Schlafplatz. Denn bei Nässe und Glitsch mit unserer nur ein bisschen überladenen „13“ an den abschüssigen Hängen morgen wieder hinunterzurutschen wollen wir nicht ausprobieren. Und tatsächlich ist der neue Plan goldrichtig: wir finden in einem Seitental deutlich weiter unten einen neuen Platz (ohne Park4Night und in Nebel und Dunkelheit), der uns am nächsten Tag ziemlich genau unterhalb der Nebelgrenze dann tatsächlich die erwartete herrliche Aussicht auf die Buchenwälder bietet. Und mehr Regen als behauptet.

Obwohl die Abfahrt kürzer und weniger steil ist: trotzdem ganz schön aufregend. So manche Serpentine bringt das Hinterteil unseres Campers auf dem aufgeweichten Untergrund doch ein wenig ins Rutschen. Die gestern verworfenen Abfahrt wäre nicht machbar gewesen und hätte einen Zwangsaufenthalt nach sich gezogen. Das möchte natürlich keiner – nicht, dass wir zu spät zur Arbeit kommen! 

Genau genommen haben wir also Zeit gespart, reden wir uns ein, und was fängt man damit an? Am besten eine kleine Wanderung in der zauberhaften und mythischen Umgebung unternehmen, wird entschieden. Und auch hier liegen wir goldrichtig. Denn die griechischen Mythen erwachen für uns zwischen den leuchtend orangefarbenen, uralten Buchen, den herbstlichen Hängen, den wabernden Nebelschwaden und den von den Ästen hängenden Flechten, die immer ein wenig an Zeus´Bart erinnert. Die Legende erzählt von einer Eiche, aus der der griechische Gott sprach. Doch hier kommen Zweifel auf: vielleicht war es doch eine Buche? Einige vorbei flanierende Salamander geben keine Antwort, obwohl sie doch eigentlich auch Zauberwesen sind? Ansonsten kommt niemand vorbei. Und wir nehmen eine weitere schöne Erinnerung ans nördliche Griechenland mit.

Die Rakete überfliegt nahezu ohne anzuhalten die griechisch-albanische Grenze, ein weiteres kleines Lokal mit einem weiteren gemütlichen Kaminfeuer und einem weiteren (diesmal albanische) Dinner erfreuen uns am Wegesrand und später, am Rande der Vjosa checken wir am von uns so benannten und bekannten, sehr charmanten Campingplatz der „Hippie-Tante“ ein (Hannes weiß Bescheid, gell?) und werden vorgewarnt: „Only basics!“ Die „basics“ umfassen warmes Duschwasser und mehr benötigt nach sieben Monaten und ziemlich wenigen warmen Duschen keiner von uns, um sich zu fühlen, wie im Luxus-Hotel!

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Kommentare: 2
  • #1

    Rose und Jochen (Freitag, 24 Oktober 2025 16:29)

    So wunderschöne bunte leuchtenden Wälder!
    Bei uns ist es jetzt auch sehr bunt geworden, aber dort wo ihr seid, tausendmal schöner!

  • #2

    Anja und Steffen, Camping Countryside (Freitag, 24 Oktober 2025 19:09)

    Das ist ein wunderbarer Vorgeschmack für unsere Tour nach Griechenland im November. Wenn wir hier zum Monatsende alles einwintern, geht es Richtung Süden. Der Kerkini See steht auf jeden Fall auf dem Plan!
    Euch weiterhin "Drum Bun"!
    Grüße aus Nucşoara, Anja und Steffen

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